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Im diesjährigen Rennen um das Grüne Trikot bei der Tour de France hatten Experten im Vorfeld einen spannenden Dreikampf vorausgesagt, der erst im finalen Zielsprint in Paris entschieden werden würde. Doch dann wurde bekannt gegeben, dass der Vorjahressieger Sam Bennett von Deceuninck-QuickStep wegen eines Unfalls nicht an der Tour teilnehmen wird. 

Bennett startete hervorragend in die Saison mit einem Sieg im Eintagesrennen Calssic Brugge-De Panne, in der Algarve-Rundfahrt und in zwei Etappen des Rennens Paris-Nizza. Scheinbar verletzte er sich bei einem Sturz am rechten Knie, als er mit dem Lenker seines Fahrrads aufschlug. Er befindet sich momentan in Belgien, wo die schwere seiner Verletzung festgestellt wird.

Damit sind zwei Favoriten für den Kampf um das Grüne Trikot übrig geblieben: Der siebenfache Sieger Peter Sagan, der in diesem Jahr bereits die Punktewertung des Giro d’Italia gewonnen hat, und der Australier Caleb Ewan, dessen großes Ziel diese Jahr ist, bei jeder Grand Tour eine Etappe zu gewinnen.

Am Montag vor dem Tour Start gab Deceuninck-QuickStep-Teammanager Patrick Lefevere in einem Gespräch mit dem belgischen Medienunternehmen Sporza ein Statement zum Zustand von Bennet ab.

“Als Bennett anrief, dass er verletzt sei und Pflege und Ruhe brauche, hatten wir schon geahnt, dass er nicht bereit für die Tour sein wird,” so Lefevere.

“Ich kann nicht nachweisen,  dass er keine Schmerzen am Knie hat, aber ich bin der Meinung, dass es mehr die Angst vor dem Versagen ist als nur Schmerzen.”

Wie auch immer, es wird das letzte Jahr für Bennett bei Deceuninck-QuickStep sein. Man munkelt, dass er in Sagans Team, Bora-Hansgrohe, oder zu Ineos Grenadiers wechselt.

Sam Bennett
Bennet bei der Tour 2020. © Profimedia

Auch Sagan wurde von seinem eigenen Teammanager Ralph Denk kritisiert. Dieser sagte Anfang des Jahres dem Kölner Stadt-Anzeiger: „Wir sind sehr dankbar für das, was Peter für uns bedeutet hat. Dank ihm haben die Sponsoren viel Aufmerksamkeit erhalten, aber er kommt in den Herbst seiner Karriere. Wir müssen uns überlegen, ob wir das noch bezahlen wollen, oder ob es besser ist, das Geld in die Jugend zu investieren.“

Sagans maglia ciclamino-Sieg beim diesjährigen Giro war bemerkenswert und zeigte Kritikern, dass er noch immer ein hervorragender Rennfahrer ist. Da Bennett die Tour verpasst, sind die Chancen des Slowaken auf sein achtes Grünes Trikot bei der Tour gestiegen.

Doch die diesjährige Tour begünstigt ganz klar die Sprinter. Es gibt weniger Anstiege als im letzten Jahr gibt, keine neuen Berge oder längere Abschnitte im Jura, Zentralmassiv oder in den Vogesen. Bei acht Etappen können die Sprinter punkten und die Anstiege besser überstehen. Als vielleicht bester Sprinter der Welt zählt Ewan zu den Favoriten.

Ewan hat ebenfalls einen beeindruckenden Saisonstart im Frühjahr hinter sich. Er gewann zwei Etappen beim Giro und führte in der Punktewertung bis er aus dem Rennen ausschied und somit Sagan den Platz oben auf dem Siegertreppchen frei machte. Er gewann auch die Punktewertung der Belgien-Rundfahrt und wurde Zweiter bei der Eintagesfahrt Mailand-San Remo. Zusätzlich hat er den Vorteil, dass er fünf Jahre jünger ist als der 31-jährige Sagan.
Caleb Ewan

Auch wenn Ewan in den Sprintetappen der Tour kaum zu schlagen sein wird, weiß Sagan, wie man gewinnt. Er wird Punkte sammeln, wo immer es möglich ist, und das ist genau das Rezept, mit dem er seine sieben vorherigen grünen Trikots gewonnen hat.

Sollten jedoch Sagan und Ewan scheitern, könnten die beiden „Geheimfavoriten“ für das Grüne Trikot Wout van Aert von Jumbo-Visma und Sonny Colbrelli von Bahrain-Victorious sein.

Bei der letztjährigen Tour wurde der 26-jährige van Aert Fünfter im Kampf um das Grüne Trikot, obwohl er dem Teamchef Primož Roglič zu einem knappen zweiten Platz in der Gesamtwertung verhalf. Vermutlich wird er sich auch in diesem Jahr wieder für Roglič aufopfern. Trotzdem könnte van Aert gut genug sein, um das Trikot zu gewinnen.

Der zweite „Geheimfavorit“, Colbrelli, hat das Grüne Trikot sowohl bei der Tour de Romandie als auch beim Critérium du Dauphiné in diesem Frühjahr gewinnen können. Er hat also definitiv den Ehrgeiz und das Zeug dazu. Allerdings hat er noch nie eine Grand Tour-Etappe gewonnen – und ist er so schnell wie Ewan?