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Vollering und Ferrand-Prévot sind die Topfavoritinnen auf den Gesamtsieg bei der Tour de France Femmes avec Zwift

Von Siegfried Mortkowitz

Die diesjährige Tour de France Femmes avec Zwift (TdFFaZ) ist so lang und anspruchsvoll wie nie zuvor. Das Peloton erwartet auf 1.175 Kilometern und mit 18.795 Höhenmetern (zum Vergleich: 17.240 im Vorjahr) die bislang härteste Ausgabe der Rundfahrt. Und wie es inzwischen Tradition ist, steht auch diesmal ein legendärer Anstieg im Mittelpunkt: der Mont Ventoux, der berühmte „Gigant der Provence“.

Das Rennen

Die ersten zweieinhalb Renntage finden in der Schweiz statt. Den Auftakt bildet eine wellige 1. Etappe mit einer leicht ansteigenden Zielankunft, die sowohl einer Ausreißergruppe als auch einer Sprinterin entgegenkommen könnte, die auch an kurzen Anstiegen gut zurechtkommt.

Die beiden folgenden Etappen dürften in Massensprints entschieden werden, bevor am Dienstag mit der 4. Etappe ein echtes Highlight ansteht: ein 21 Kilometer langes Einzelzeitfahren, das im französischen Dijon endet – der Heimat des berühmten Senfs.

Auf der 5. Etappe stehen 2.900 Höhenmeter und acht kategorisierte Anstiege auf dem Programm, darunter drei der Kategorie 2. Der längste davon, die Côte de Cenves (9,6 km mit durchschnittlich 4,5 %), folgt bereits kurz nach dem Start. Die Entscheidung dürfte jedoch erst am letzten Anstieg fallen – dem Mont Brouilly (3 km mit 7,7 %). Brouilly ist übrigens auch der Name eines der bekanntesten Beaujolais-Weine, der aus Gamay-Trauben gekeltert wird, die an den Hängen dieses Berges wachsen.

Die 6. Etappe umfasst sechs kategorisierte Anstiege und dürfte mit hoher Wahrscheinlichkeit an eine starke Ausreißerin gehen, die im Gesamtklassement keine Rolle spielt. Die Favoritinnen auf das Gelbe Trikot werden ihre Kräfte für den Freitag aufsparen, wenn auf der 7. Etappe das Bergfinale auf den Mont Ventoux (15,7 km mit durchschnittlich 7,7 %) wartet.

Schon vor dem Schlussanstieg sind zahlreiche Höhenmeter zu bewältigen, sodass dort voraussichtlich nur noch eine kleine Spitzengruppe um den Etappensieg kämpfen wird. Wahrscheinlich fällt hier auch die Entscheidung über den Gesamtsieg der TdFFaZ. Die 8. Etappe ist eher etwas für Sprinterinnen, und auch die vier Überfahrten des Col d’Èze auf der Schlussetappe (die ersten drei Auffahrten: 7,7 km mit 5,9 %, die letzte Auffahrt über eine andere Strecke: 6 km mit 7,6 %) gelten nicht als selektiv genug, um noch große Zeitabstände herauszufahren.

Heißt die Siegerin Demi Vollering?

Demi Vollering (FDJ United–Suez) hat sich eindrucksvoll von ihrer Niederlage bei der letztjährigen TdFFaZ gegen Pauline Ferrand-Prévot zurückgemeldet. In dieser Saison gewann sie bereits die Volta de la Comunitat Valenciana, den Giro d’Italia Women, Lüttich–Bastogne–Lüttich Femmes, La Flèche Wallonne Femmes, die Flandern-Rundfahrt sowie den Omloop Nieuwsblad.

Diese Bilanz erinnert durchaus an einen gewissen slowenischen Fahrer, der gerade seine fünfte Tour de France gewonnen hat. Ich glaube deshalb, dass Vollering – ähnlich wie Tadej Pogačar – auch diese Tour gewinnen wird.

Sie ist stark, schnell, hoch motiviert und fährt taktisch klug. Schon seit Jahren gilt sie als die beste Rennfahrerin im Frauenradsport. Allerdings verhinderten unglückliche Entscheidungen und Pech immer wieder, dass sie ihre Konkurrenz so dominierte wie Pogačar bei den Männern. Das könnte sich in diesem Jahr ändern.

Hinzu kommt ein außergewöhnlich starkes Team mit der scheinbar unermüdlichen Franziska Koch, der brillanten erst 20-jährigen französischen Meisterin Célia Gery, Évita Muzic und Juliette Berthet. Ihre Chancen stehen ausgezeichnet.

 

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Oder doch Pauline Ferrand-Prévot?

Pauline Ferrand-Prévot (Visma–Lease a Bike) richtet ihre komplette Saison auf ein einziges Rennen aus: die Tour de France Femmes avec Zwift.

Im vergangenen Jahr präsentierte sie sich perfekt vorbereitet und dominierte am entscheidenden Schlussanstieg zum Col de la Madeleine, wo sie Vollering mehr als drei Minuten abnahm. Diese Niederlage dürfte Vollering nachhaltig wachgerüttelt haben.

Auf einer Pressekonferenz am Mittwoch erklärte Ferrand-Prévot, dass sie ihre Titelverteidigung bereits seit Oktober vorbereitet habe – seit der Streckenverlauf veröffentlicht wurde.

„Ich habe gerade noch mit meinem Trainer gesprochen und alles läuft genau so, wie wir es erwartet haben. Mein Ziel war von Anfang an, zur Tour de France bei 100 Prozent zu sein. Ich hatte nie im Kopf, alle Rennen dieser Saison gewinnen zu müssen. Mir war klar, dass ich eine ganz spezielle Vorbereitung brauche, um dieses Rennen zu gewinnen. Deshalb habe ich meine Saison gezielt auf die Tour de France ausgerichtet.“

Wie bereits im Vorjahr war die Vuelta España Femenina ihr letztes Rennen vor der TdFFaZ. Das bedeutet, dass sie mit 83 Tagen ohne Renneinsatz an den Start geht. (Hallo, Remco Evenepoel!)

Sie berichtete außerdem, zahlreiche Streckenbesichtigungen absolviert und viel Zeit auf dem Zeitfahrrad verbracht zu haben, nachdem sie zuletzt 2021 ein Einzelzeitfahren bestritten hatte.

Den Mont Ventoux kennt sie bestens.

„Ich möchte genau wissen, wo ich meine Räder hinsetze. Deshalb bin ich den Ventoux mehrfach abgefahren.“

Auch den Col d’Èze kennt sie in- und auswendig, da sie das ganze Jahr über in dessen Nähe lebt und ihn regelmäßig als Trainingsanstieg nutzt.

Ferrand-Prévot erwartet deshalb einen spannenden Kampf bis zum letzten Tag.

Die weiteren Favoritinnen

Ein offener Ausgang käme Fahrerinnen wie Paula Blasi (UAE Team ADQ), Marlen Reusser (Movistar), Kasia Niewiadoma (CANYON//SRAM) oder Anna van der Breggen (SD Worx–Protime) entgegen.

Zwar dürfte Elisa Longo Borghini bei UAE Team ADQ als Kapitänin in die Tour gehen, doch die erst 23-jährige Paula Blasi ist derzeit die formstärkste Fahrerin des Teams. Sie gewann in dieser Saison bereits sieben Rennen, darunter die Vuelta und das Amstel Gold Race. Bei der Vuelta ließ sie sowohl van der Breggen als auch Niewiadoma hinter sich und scheint mit jedem Rennen stärker zu werden.

Für einen Gesamtsieg gegen Vollering oder Ferrand-Prévot dürfte es wohl noch nicht reichen, ein Podiumsplatz ist jedoch durchaus realistisch.

Zeitfahr-Welt- und Europameisterin Marlen Reusser hat ihr ohnehin starkes Profil in den Bergen nochmals deutlich erweitert. Das zeigte sie eindrucksvoll bei der Tour de Suisse Women, wo sie TdFFaZ-Siegerin 2024 Kasia Niewiadoma auf der Bergankunft der Schlussetappe um sieben Sekunden schlug und ihr im Gesamtklassement sogar 2:02 Minuten abnahm.

Sollte Reusser ihre Zeitverluste am Mont Ventoux gegenüber Vollering und Ferrand-Prévot in Grenzen halten können, könnte sie das Rennen auf der Schlussetappe noch einmal spannend machen.

Kasia Niewiadoma wartet dagegen noch immer auf ihren ersten Saisonsieg. Sowohl bei der Vuelta (gegen Blasi) als auch bei der Tour de Suisse (gegen Reusser) musste sie deutliche Niederlagen hinnehmen. Gemessen an ihren eigenen Ansprüchen verläuft ihre Saison bislang enttäuschend. Für den Kampf um das Gelbe Trikot müsste sie noch einmal außergewöhnliche Reserven mobilisieren.

Auch Anna van der Breggen nähert sich wieder ihrer Bestform. Beim Giro d’Italia Women führte sie das Rennen lange an, bis ihre 36-jährigen Beine auf den drei kategorisierten Schlussanstiegen dem Tempo von Vollering nicht mehr folgen konnten. Die letzte Etappe endete in einem Sprint einer vierköpfigen Spitzengruppe, den Vollering der italienischen Lokalmatadorin Elisa Longo Borghini scheinbar überließ.

Für van der Breggen wird der Mont Ventoux zum entscheidenden Härtetest.

Kampf um das Grüne Trikot

Im Rennen um das Grüne Trikot führt kaum ein Weg an Lorena Wiebes (SD Worx–Protime) vorbei.

Nicht nur, weil sie als beste Sprinterin der Welt gilt und bereits 131 Siege eingefahren hat – sogar mehr als Pogačar –, sondern auch wegen ihrer umstrittenen Disqualifikation beim diesjährigen Giro. Dort wurde ihr Fahrrad als zu leicht eingestuft.

Ihr Team protestierte und argumentierte, die Kommissär*innen hätten einen Fehler gemacht. Die Entscheidung blieb jedoch bestehen. Zusätzlich kritisierte SD Worx–Protime, dass der Radsportweltverband UCI weder den Dialog gesucht noch auf Rückfragen zu den genauen Hintergründen der Entscheidung reagiert habe.

Wiebes dürfte daher mit einer gehörigen Portion zusätzlicher Motivation an den Start gehen.