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Tour-Schock: Vingegaard stürzt – Evenepoel bezwingt Pogačar am großen Berg

Von Siegfried Mortkowitz

Zwei Etappensieger, zweimaliger Tour-Champion und Tadej Pogačars wichtigster Herausforderer Jonas Vingegaard musste die Rundfahrt auf der 15. Etappe der Tour de France 2026 nach einem Sturz aufgeben. Der Däne rutschte 22 Kilometer vor dem Ziel in einer eigentlich unscheinbaren Kurve weg. Ausgerechnet an dem Tag, an dem Visma–Lease a Bike die Etappe perfekt vorbereitet hatte, um Pogačar auf dem ersten echten Bergfinale der Tour unter Druck zu setzen – dem Plateau de Solaison (11,3 km mit durchschnittlich 9,1 % Steigung).

Kurz darauf bestätigte sein Team die Diagnose:

„Die Untersuchungen ergaben einen Schlüsselbeinbruch sowie mehrere Schürfwunden. Aufgrund der Schwere der Verletzung wird Jonas in den kommenden Tagen operiert werden.“

Damit verlor die Tour ihren letzten ernsthaften Herausforderer im Kampf um das Gelbe Trikot.

Oder zumindest glaubte das jeder.

Dann überrascht Evenepoel alle

Denn plötzlich bekam die Etappe eine völlig neue Geschichte.

Als Pogačar an der Spitze der Favoritengruppe das Tempo verschärfte und die letzten Ausreißer einsammelte, konnten zunächst nur zwei Fahrer folgen:

  • Isaac del Toro und Remco Evenepoel.

Pogačars Plan schien eindeutig.

 

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 Er wollte seinem jungen Teamkollegen den Etappensieg schenken, ihm das Weiße Trikot sichern und ihn gleichzeitig aufs Podium der Gesamtwertung bringen.

Doch mit diesem neuen Evenepoel hatte offenbar niemand gerechnet.

Als Del Toro im Schlusskilometer zum ersten Mal attackierte, blieb der Belgier mühelos dran.

Beim zweiten Angriff des Mexikaners konterte Evenepoel sofort, zog vorbei und hielt anschließend sogar Pogačar hinter sich.

Es war sein erster Tour-Etappensieg außerhalb eines Zeitfahrens.

Vor allem aber war es der Tag, an dem Evenepoel endgültig bewies, dass er auch im Hochgebirge mit den Besten mithalten kann.

„Das ist einfach unglaublich“, sagte ein sichtlich bewegter Evenepoel im Ziel. „Ich zittere förmlich vor Emotionen. Der Tag war brutal. Am Anfang habe ich mich richtig schlecht gefühlt, aber ich wurde im Laufe der Etappe immer stärker. Man darf nicht vergessen, dass ich gegen den vermutlich besten Fahrer aller Zeiten antrete. Er ist den Berg unglaublich schnell hochgefahren, um Isaac den Etappensieg zu ermöglichen. Dass ich dieses Tempo mitgehen konnte, bedeutet mir enorm viel. Schließlich höre ich seit Jahren, dass ich an steilen Bergen nicht mithalten kann.“

Ein neuer Evenepoel?

Ich gebe es gerne zu:

Ich habe selbst daran gezweifelt.

Und ich freue mich ebenso gerne darüber, dass ich mich möglicherweise geirrt habe.

Sollte diese Leistung kein Ausreißer gewesen sein, dann hat Evenepoel genau den Entwicklungsschritt gemacht, der ihm bislang fehlte, um zu einem echten Grand-Tour-Sieger zu werden.

Den entscheidenden Moment schilderte er später so:

„Ich hatte eigentlich nicht mehr mit einem weiteren Angriff von Isaac gerechnet. Dann ist er rund 400 Meter vor dem Ziel noch einmal losgefahren. Für mich war das perfekt. Ich konnte meinen Schwung mitnehmen und einfach bis ins Ziel durchziehen. So eine Etappe zu gewinnen, ist etwas ganz Besonderes.“

Natürlich wurde Evenepoel anschließend auch auf Vingegaards Ausfall angesprochen.

„Das sind zunächst einmal ganz schlechte Nachrichten für Jonas, für sein Team und auch für das Rennen. So etwas wünscht man niemandem.“

In der Gesamtwertung liegt Evenepoel nun auf Rang zwei.

Sein Rückstand auf Pogačar beträgt exakt fünf Minuten.

Isaac del Toro ist neuer Dritter mit 5:58 Minuten Rückstand.

Paul Seixas verlor am Schlussanstieg den Anschluss und fiel auf Gesamtrang vier zurück. Gleichzeitig musste er das Weiße Trikot wieder abgeben.

War eine Dopingkontrolle mitverantwortlich?

Nach dem Rennen drehte sich allerdings fast alles um Vingegaards Sturz.

Mehrere Medien, darunter Reuters, berichteten, dass der Däne in der Nacht vor der Etappe gegen zwei Uhr morgens für eine unangekündigte Dopingkontrolle geweckt worden war.

Die Kontrolle dauerte laut Vingegaard rund 40 Minuten.

Danach konnte er kaum noch schlafen.

Bereits vor dem Start hatte er seinen Unmut darüber geäußert.

„Die International Testing Agency hat mich heute Nacht kaum schlafen lassen. Natürlich ist es wichtig, dass kontrolliert wird. Aber wenn dadurch die Regeneration und die Leistungsfähigkeit beeinträchtigt werden, halte ich das für problematisch.“

Natürlich lässt sich nicht beweisen, ob der Schlafmangel zu seinem Sturz beigetragen hat.

Ebenso wenig lässt sich ausschließen, dass er eine Rolle spielte.

Jeder Spitzensportlerin weiß:

Müdigkeit beeinträchtigt Konzentration und Reaktionsvermögen.

Interessant dabei:

Auch Pogačar wurde in derselben Nacht kontrolliert.

Allerdings erst gegen fünf Uhr morgens.

An Schlaf war danach ebenfalls nicht mehr zu denken.

„Ich habe heute vielleicht vier Stunden geschlafen. Danach konnte ich nicht mehr einschlafen. Das war definitiv kein schöner Start in den Tag.“

Etappe 13: Lang, schnell und ziemlich verrückt

Die 13. Etappe ließ sich mit drei Worten zusammenfassen:

Lang.

Mit 205,8 Kilometern war sie die längste Etappe dieser Tour.

Schnell.

Trotz 2.400 Höhenmetern lag die Durchschnittsgeschwindigkeit bei unglaublichen 49,999 km/h.

Verrückt.

Zwischenzeitlich bestand die Spitzengruppe aus sage und schreibe 57 Fahrern.

Am Ende war die Zahl 13 allerdings eine Glückszahl.

Vor allem für Mauro Schmid, der seinen ersten Tour-Etappensieg feierte.

Gemeinsam mit Harold Tejada setzte er sich 16 Kilometer vor dem Ziel entscheidend ab und rettete wenige Sekunden Vorsprung ins Ziel.

Tom Pidcock wurde Dritter und sprang dadurch in der Gesamtwertung von Rang zehn auf Platz vier.

Die Favoriten ließen die Ausreißer bewusst gewähren.

Sie wollten Kräfte für die schweren Alpenetappen sparen und waren überzeugt, Pidcock später ohnehin wieder einzuholen.

Damit sollten sie recht behalten.

„Ich kann es noch gar nicht glauben“, sagte Schmid nach seinem Premierensieg. „Es war vom ersten Kilometer an ein unglaublich harter Tag. Wir wollten unbedingt in die Ausreißergruppe. Heute hat endlich alles funktioniert.“

Pogačar gewinnt – Seixas begeistert

Was am Freitag nach oben ging, ging am Samstag wieder nach unten.

Tom Pidcock verlor auf der 14. Etappe seine neu gewonnene Spitzenposition im Klassement schnell wieder.

Er versuchte erneut sein Glück in einer großen Ausreißergruppe.

Diesmal wollten die Favoriten ihn jedoch nicht ziehen lassen.

56 Kilometer vor dem Ziel war das Abenteuer beendet.

Während Pidcock am Ende nur Rang 18 belegte, spielte sich vorne das erwartete Szenario ab.

Richard Carapaz und Tobias Halland Johannessen wurden 2,4 Kilometer vor der Passhöhe des Col du Haag gestellt.

Weniger als einen Kilometer später setzte Pogačar seinen nächsten unwiderstehlichen Angriff.

Niemand konnte folgen.

Es war bereits sein vierter Etappensieg bei dieser Tour und der 25. seiner Karriere.

Einer der Gewinner des Tages war trotzdem der erst 19-jährige Paul Seixas.

Der Franzose belegte hinter Pogačar und Del Toro Rang drei und übernahm erstmals das Weiße Trikot des besten Nachwuchsfahrers.

Wenn auch nur für einen Tag.

Gleichzeitig rückte er bis auf 15 Sekunden an Evenepoel und das Podium heran.

Für den jüngsten Tour-Teilnehmer seit 89 Jahren ist das eine außergewöhnliche Leistung.

„Es ist unglaublich. Ehrlich gesagt lebe ich gerade meinen Traum. Bisher läuft diese Tour sogar besser, als ich es mir jemals vorgestellt hätte.“


Ergebnisse der 15. Etappe

Champagnole – Plateau de Solaison (183,9 km)

Platz Fahrer Team Zeit
1 Remco Evenepoel Red Bull–BORA–hansgrohe 4:23:09
2 Tadej Pogačar UAE Team Emirates–XRG gleiche Zeit
3 Isaac del Toro UAE Team Emirates–XRG +0:06
4 Paul Seixas Decathlon CMA CGM +0:58
5 Florian Lipowitz Red Bull–BORA–hansgrohe gleiche Zeit
6 Lenny Martinez Bahrain Victorious +1:57
7 Mattias Skjelmose Lidl-Trek gleiche Zeit
8 Juan Ayuso Lidl-Trek +2:00
9 Adam Yates UAE Team Emirates–XRG gleiche Zeit
10 Quinn Simmons Lidl-Trek +2:16

Gesamtwertung nach Etappe 15

Platz Fahrer Team Rückstand
1 Tadej Pogačar UAE Team Emirates–XRG 55:41:31
2 Remco Evenepoel Red Bull–BORA–hansgrohe +5:00
3 Isaac del Toro UAE Team Emirates–XRG +5:58
4 Paul Seixas Decathlon CMA CGM +6:23
5 Florian Lipowitz Red Bull–BORA–hansgrohe +6:48
6 Juan Ayuso Lidl-Trek +7:28
7 Mattias Skjelmose Lidl-Trek +9:38
8 Lenny Martinez Bahrain Victorious +10:28
9 Tom Pidcock Pinarello Q36.5 +11:19
10 Jordan Jegat TotalEnergies +19:26