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Pogačar steigt mit seinem fünften Tour-Sieg in den Radsport-Olymp auf

Von Siegfried Mortkowitz

Tadej Pogačar hat am Sonntag in Paris seine fünfte Tour de France gewonnen. Damit gehört der Slowene nun endgültig zum Kreis der Unsterblichen. Nur vier Fahrer hatten das wichtigste Radrennen der Welt vor ihm fünfmal gewonnen: Jacques Anquetil, Eddy Merckx, Bernard Hinault und Miguel Induráin.  Induráin ist bislang der einzige Fahrer, dem fünf Tour-Siege in Folge gelangen. Seinen fünften Triumph feierte der Spanier 1995. Mehr als drei Jahrzehnte später hat Pogačar diesen exklusiven Kreis nun erweitert.

Pogačar gewinnt mit mehr als sechs Minuten Vorsprung

In der Gesamtwertung lag der Weltmeister am Ende 6:26 Minuten vor Remco Evenepoel.

Pogačars junger Teamkollege Isaac del Toro komplettierte mit 9:42 Minuten Rückstand das Podium.

Eine der bemerkenswertesten Leistungen der Tour zeigte jedoch Paul Seixas.

Der erst 19-jährige Franzose beendete seine erste dreiwöchige Rundfahrt auf Gesamtrang vier.

Chapeau!

Einen letzten Etappensieg konnte sich Pogačar am Sonntag allerdings nicht mehr sichern.

Mathieu van der Poel beschleunigte auf den letzten 500 Metern mit der für ihn typischen Wucht und ließ sowohl Pogačar als auch die heranrasenden Sprinterteams hinter sich.

Das Finale in Montmartre bot damit noch einmal genau das Spektakel, das diese außergewöhnlich spannende Tour über drei Wochen ausgezeichnet hatte.

Verkürzte Schlussetappe in Paris

Die Etappe war wegen fehlender Sicherheitskräfte verkürzt worden.

Viele Einsatzkräfte wurden benötigt, um bei den verheerenden Waldbränden in der Nähe von Bordeaux zu helfen.

Statt der ursprünglich geplanten 133 Kilometer führte die Schlussetappe deshalb nur über 89 Kilometer.

Die Fahrer absolvierten zunächst zwei zusätzliche Runden auf den Champs-Élysées, bevor sie auf den Rundkurs durch Montmartre abbogen.

Pogačar wollte diese Etappe unbedingt gewinnen.

Im Vorjahr hatten ihn Knieprobleme und Wout van Aert um die Chance auf den Sieg gebracht.

Doch diesmal war van der Poel schlicht zu stark.

Und Pogačar hatte nach drei extrem anstrengenden Wochen möglicherweise nicht mehr dieselben Reserven.

Van der Poel erfüllt sich einen Traum

„Ich habe ein ganzes Jahr an diesen Moment gedacht“, sagte ein erschöpfter van der Poel nach dem Ziel. „Im vergangenen Jahr war ich krank und musste diese Etappe im Fernsehen verfolgen. Seitdem habe ich mir genau diesen Moment vorgestellt. Dass es jetzt so gelaufen ist, ist ein Traum.“

Der Niederländer zollte Pogačar großen Respekt.

„Es war unglaublich hart. Mit dem besten Fahrer der Welt vorne zu sein, war etwas Besonderes. Ich dachte, dass wir noch eingeholt werden. Aber auf den letzten 500 Metern habe ich nur noch den Kopf gesenkt und bin so hart gefahren, wie ich konnte. Es gibt noch einige Rennen, die ich in meiner Karriere gewinnen möchte. Dieses gehörte definitiv dazu.“

Jasper Philipsen machte als Zweiter den Doppelsieg für Alpecin–Premier Tech perfekt.

Mads Pedersen, der Gewinner des Škoda Grünen Trikots, wurde Dritter.

 

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Eine Tour voller inspirierender Leistungen

Pogačars Gesamtsieg war spätestens seit der zehnten Etappe kaum noch gefährdet.

Damals führte er bereits mit 3:32 Minuten Vorsprung vor Jonas Vingegaard.

Als der zweimalige Tour-Sieger nach seinem Sturz auf der 15. Etappe ausschied, blieb eigentlich nur noch eine Frage offen:

Wie groß würde Pogačars Vorsprung auf Evenepoel am Ende sein?

Der Belgier überraschte jedoch nicht nur mich, sondern vermutlich einen großen Teil der Radsportwelt mit seiner Leistung am Plateau de Solaison.

Auf dem 11,3 Kilometer langen und durchschnittlich 9,1 Prozent steilen Schlussanstieg schlug er Pogačar im direkten Duell.

Doch diese Tour bestand nicht nur aus dem Kampf um Gelb.

Sie war geprägt von Schocks, Überraschungen und einer ganzen Reihe inspirierender Leistungen.

Besonders beeindruckend waren die Auftritte der Gewinner des Grünen und des Gepunkteten Trikots:

Mads Pedersen und Richard Carapaz.

Pedersen sichert sich Grün auf spektakuläre Weise

Die Entscheidung in beiden Sonderwertungen fiel endgültig auf der 20. Etappe.

Die Königsetappe bot gewaltige 5.450 Höhenmeter und führte ein zweites Mal hinauf nach Alpe d’Huez.

Diesmal begann der entscheidende Abschnitt allerdings nur 3,8 Kilometer vor dem Gipfel und wies durchschnittlich 6,2 Prozent Steigung auf.

Pedersen ging zum zweiten Mal in Folge in eine Ausreißergruppe.

Beim Zwischensprint holte er die maximalen 25 Punkte und sicherte sich damit endgültig das Grüne Trikot.

Doch der Weg dorthin war außergewöhnlich.

Pedersen musste zunächst den als Hors Catégorie eingestuften Col de la Croix-de-Fer bewältigen:

24 Kilometer mit durchschnittlich 5,2 Prozent Steigung.

An dessen Hängen wurde er zunächst abgehängt.

Doch der Däne kämpfte sich zurück, holte das Peloton ein, überholte es und schloss rund 18 Kilometer vor dem Zwischensprint sogar noch zur 15-köpfigen Spitzengruppe auf.

Dort gewann er die Punkte anschließend ohne größere Probleme.

Was Pedersen leistet, macht sonst niemand

Bereits auf der 19. Etappe hatte Pedersen eine ähnlich spektakuläre Leistung gezeigt.

Kurz nach dem Start schloss er sich einer 42-köpfigen Ausreißergruppe an und überquerte zwei schwierige Berge, um auch dort die vollen 25 Punkte zu holen.

Der Däne ist nun ebenfalls Mitglied eines äußerst exklusiven Clubs.

Er ist erst der sechste Fahrer, der die Punktewertung in allen drei Grand Tours gewonnen hat.

Pedersen verbindet Fähigkeiten, die normalerweise kaum zusammenpassen:

  • ausdauerndes Klettern
  • aggressive Fluchtversuche
  • enorme Sprintstärke
  • außergewöhnliche Leidensfähigkeit

Gerade diese Vielseitigkeit machte seinen Sieg im Kampf um Grün so verdient.

Carapaz kämpft sich zurück

Richard Carapaz war nicht in optimaler Form zur Tour gekommen.

Seine geplante Teilnahme am Giro d’Italia war wegen einer Zyste im Dammbereich geplatzt.

Nach dem Eingriff konnte er drei Wochen lang nicht trainieren.

Ob seine Vorbereitung für die Tour ausreichen würde, wusste er selbst nicht.

Doch der Ecuadorianer wurde von Tag zu Tag stärker.

In der dritten Woche war er bereit, um das Gepunktete Trikot zu kämpfen.

„Als ich wusste, dass ich den Giro nicht fahren konnte, war das für mich eine schwierige Situation“, sagte Carapaz nach seinem Sieg auf der 20. Etappe. „Nach der Operation konnte ich drei Wochen lang nicht aufs Rad. Ich wusste nicht, ob meine Vorbereitung für die Tour ausreichen würde. Das Team hat mir körperlich, mental und emotional enorm geholfen.“

Die letzte Tour-Woche liegt ihm traditionell besonders gut.

„Ich wusste, dass die letzte Woche hart werden würde. Das ist jedes Jahr so. Aber die dritte Woche ist meine Lieblingswoche. Wir haben sie mit zwei Etappensiegen und dem Gepunkteten Trikot spektakulär abgeschlossen. Damit haben wir das Ziel erreicht, das wir uns beim Start in Barcelona gesetzt hatten.“

Carapaz sammelt Punkte, Pogačar jagt den Sieg

Nachdem Carapaz bereits die 18. Etappe gewonnen hatte, ging er auch auf Etappe 19 in die Ausreißergruppe.

Dort sammelte er fleißig Bergpunkte.

Am Anstieg nach Alpe d’Huez fuhr er gemeinsam mit Sepp Kuss und Lenny Martinez an der Spitze.

Hinter ihnen stürmte Pogačar den Berg hinauf.

Der Slowene jagte einen der symbolträchtigsten Siege im Radsport:

einen Triumph auf Alpe d’Huez.

Champions sind unausweichlich

Natürlich gewann Pogačar die Etappe.

Und natürlich stellte er einen neuen Rekord für die schnellste Auffahrt auf diesen legendären Berg auf.

Genau das tut er schließlich.

Er ist mit Abstand der beste Radfahrer der Welt.

Und die Besten gewinnen fast immer.

Es wäre beinahe überraschender gewesen, wenn er es nicht geschafft hätte.

Am Beginn des Anstiegs lag Pogačar noch 3:25 Minuten hinter den Spitzenreitern.

Im Ziel hatte er diesen Rückstand vollständig aufgeholt.

Er gewann:

  • sechs Sekunden vor Lenny Martinez
  • neun Sekunden vor Richard Carapaz
  • 1:14 Minuten vor Sepp Kuss

„Es war kein Geheimnis, dass ich hier gewinnen wollte“, sagte Pogačar anschließend laut L’Equipe. „Dank meiner Teamkollegen haben wir dieses Ziel erreicht. Es war ein fantastischer Tag. Die Ausreißer waren stark, und wir mussten extrem viel arbeiten. Während des gesamten Anstiegs habe ich an meine Mannschaft gedacht und bis zur Ziellinie alles gegeben.“

Dichtes Gedränge auf Alpe d’Huez

Mehrfach gestikulierte Pogačar während des Anstiegs in Richtung der Zuschauer*innen.

Die Menschenmassen kamen den Fahrern teilweise gefährlich nahe.

Evenepoel wurde behindert.

Einer Rubio prallte sogar gegen das Heck eines UAE-Teamfahrzeugs und musste die Tour anschließend aufgeben.

Pogačar wollte sich nach der Etappe dennoch nicht beschweren.

„Ich hatte erwartet, dass es noch schlimmer sein würde. Insgesamt haben sich die Zuschauer ziemlich gut verhalten, auch wenn sie manchmal sehr nahe kamen. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, mit dem Rad durch diese jubelnde Menschenmenge zu fahren. Ich war darauf vorbereitet, mich gegen einige Fans wehren zu müssen. Aber tatsächlich waren sie respektvoll und haben uns sehr viel Energie gegeben.“

UAE hält trotz Krankheit zusammen

In den Tagen zuvor hatten mehrere Fahrer von UAE Team Emirates–XRG mit gesundheitlichen Problemen gekämpft.

Brandon McNulty musste die Tour nach der 18. Etappe aufgeben.

Tim Wellens war am Donnerstag und Freitag deutlich geschwächt.

Auch andere Helfer waren angeschlagen.

Pogačar lobte deshalb besonders den Zusammenhalt seines Teams.

Die vergangenen Tage waren für uns nicht leicht. Umso glücklicher bin ich, dass wir als Mannschaft zusammengehalten haben. Auch wenn es schlecht läuft, bleiben wir zusammen und kämpfen weiter. Der heutige Sieg war eine schöne Belohnung.“

Martinez fährt sich in die Top 5

Ein weiterer Gewinner der Etappe war Lenny Martinez.

Der 23-Jährige konnte Pogačars Hinterrad am Anstieg mehrere Hundert Meter lang halten, bevor er zurückfiel.

Trotzdem rückte er auf Rang fünf der Gesamtwertung vor.

Er überholte damit die beiden Lidl-Trek-Fahrer Juan Ayuso und Mathias Skjelmose.

Diese Position verteidigte er bis Paris.

Carapaz gegen Kuss

Auf der 20. Etappe standen Carapaz und Kuss erneut im Mittelpunkt.

Pogačar beschloss an diesem Tag, als Helfer für Isaac del Toro zu fahren.

Der junge Mexikaner sollte seinen Podiumsplatz gegen Paul Seixas verteidigen.

Der Plan ging auf.

Der französische Teenager verlor auf den letzten Kilometern Zeit.

Das war angesichts seiner ersten dreiwöchigen Rundfahrt und der enormen Schwierigkeit dieser Tour keine Überraschung.

Sein vierter Platz in der Gesamtwertung bleibt trotzdem ein Triumph aus Talent, Mut und Ausdauer.

Carapaz sicherte sich das Gepunktete Trikot am vorletzten Anstieg der Königsetappe, dem Col de la Sarelle:

12,8 Kilometer mit durchschnittlich 7,3 Prozent Steigung.

Anschließend entwickelte sich ein Duell mit Sepp Kuss.

Kuss stürzt gleich zweimal

Der Amerikaner wollte unbedingt einen Etappensieg für Visma–Lease a Bike holen.

Nach Vingegaards bitterem Ausscheiden sollte er dem Team zumindest noch einen großen Erfolg schenken.

Kuss hatte zunächst einen kleinen Vorsprung.

Carapaz kam auf der langen Abfahrt zum zweiten Anstieg nach Alpe d’Huez jedoch immer näher.

Sieben Kilometer vor dem Ziel stürzte Kuss offenbar nach einer Kollision mit einer Absperrung.

Er setzte das Rennen schnell fort.

Doch 5,3 Kilometer vor dem Ziel stürzte er erneut.

Diesmal fiel er über eine niedrige Mauer.

Dass er sich dabei nicht schwer oder sogar lebensgefährlich verletzte, war einem Sicherheitsnetz zu verdanken, das die Organisatoren am steilen Berghang angebracht hatten.

Carapaz zog vorbei und gewann die Etappe.

Evenepoel überholte Kuss ebenfalls und wurde mit 26 Sekunden Rückstand Zweiter.

Kuss erreichte das Ziel fünf Sekunden später.

Trotz allem lächelte er.

Vielleicht, weil ihm bewusst war, wie viel Glück er im Unglück gehabt hatte.

Kurz darauf erfuhr er allerdings, dass er wegen zweier Verstöße gegen die Abfallregeln mit 1.500 Schweizer Franken bestraft worden war.

Zusätzlich verlor er:

  • 100 UCI-Punkte
  • 60 Sekunden in der Gesamtwertung

Manchmal kommt wirklich alles zusammen.

Pogačar erlebt die Arbeit eines Helfers

Pogačar erklärte nach der Etappe, er habe viel über die Arbeit eines Helfers gelernt.

Gemeinsam mit Del Toro überquerte er Arm in Arm die Ziellinie.

„Ich habe heute zum ersten Mal selbst erlebt, wie es ist, als Helfer zu fahren. Ich habe die Arbeit meiner Teamkollegen schon vorher geschätzt. Aber jetzt ist dieser Respekt noch einmal auf einem ganz anderen Niveau. Es war ein Gänsehautmoment und eine Erinnerung, die bleiben wird.“

Als sich der Staub nach der Etappe gelegt hatte, wurde Zuschauerinnen, Kommentatorinnen und vielleicht sogar den Fahrern selbst bewusst, was sie gerade erlebt hatten.

Fünf Stunden Straßenradsport hatten mehr Drama, Spannung und außergewöhnliche Leistungen geboten als manch gesamtes Fußballturnier.

Und über allem stand ein Fahrer, der nun endgültig zu den größten Namen der Radsportgeschichte gehört:

Tadej Pogačar.

Fünfmaliger Sieger der Tour de France.

Willkommen im Radsport-Olymp.


Gesamtwertung der Tour de France 2026

Platz Fahrer Team Rückstand
1 Tadej Pogačar UAE Team Emirates–XRG Gesamtsieger
2 Remco Evenepoel Red Bull–BORA–hansgrohe +6:26
3 Isaac del Toro UAE Team Emirates–XRG +9:42
4 Paul Seixas Decathlon CMA CGM
5 Lenny Martinez Bahrain Victorious