Was steckt hinter der Studie?
Bei dem Bericht handelt es sich um eine klinische Konsenserklärung der European Society of Cardiology.
Federführend beteiligt waren unter anderem Professorin Luigina Guasti und Dr. Marialaura Bonaccio.
Die Autorinnen werteten die bislang verfügbaren Forschungsergebnisse zu hochverarbeiteten Lebensmitteln und Herz-Kreislauf-Erkrankungen aus. Ziel ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse stärker mit konkreten Empfehlungen für Patientinnen zu verbinden.
Professorin Guasti erklärt:
„Hochverarbeitete Lebensmittel bestehen häufig aus industriell hergestellten Zutaten und Zusatzstoffen und haben traditionelle Ernährungsweisen in vielen Bereichen ersetzt. Studien deuten darauf hin, dass diese Produkte mit verschiedenen Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden sind, darunter Übergewicht, Diabetes und Bluthochdruck. Außerdem erhöhen sie möglicherweise das Risiko, an einer Herzkrankheit zu erkranken oder daran zu sterben.“
Was zählt als hochverarbeitetes Lebensmittel?
Die Studie orientiert sich an der sogenannten NOVA-Klassifikation.
Dieses international verbreitete System teilt Lebensmittel danach ein, wie stark sie verarbeitet wurden.
Als hochverarbeitet gelten industrielle Produkte, die überwiegend aus extrahierten oder veränderten Bestandteilen wie Ölen, Fetten, Zucker oder Proteinen bestehen.
Hinzu kommen häufig Zusatzstoffe wie:
- Konservierungsmittel
- Emulgatoren
- künstliche Aromen
- Farbstoffe
- Süßungsmittel
Oft enthalten diese Produkte nur noch wenige oder gar keine unverarbeiteten Lebensmittel.
Sie sind meist darauf ausgelegt, besonders schmackhaft, praktisch und lange haltbar zu sein.
Typische Beispiele sind:
- Softdrinks und gesüßte Joghurts
- abgepackte Snacks wie Chips, Kekse oder Süßigkeiten
- Fertiggerichte
- stark gezuckerte Frühstückscerealien
- verarbeitetes Fleisch wie Würstchen oder Nuggets
Bis zu 19 Prozent höheres Risiko für Herzkrankheiten
Der Konsum hochverarbeiteter Lebensmittel nimmt in Europa weiter zu.
In den Niederlanden stammen inzwischen rund 61 Prozent der aufgenommenen Kalorien aus solchen Produkten. In Großbritannien sind es etwa 54 Prozent.
In anderen Ländern liegt der Anteil deutlich niedriger:
- Spanien: 25 Prozent
- Portugal: 22 Prozent
- Italien: 18 Prozent
Diese Entwicklung ist problematisch, denn die Ergebnisse der Untersuchung fallen deutlich aus.
Erwachsene mit dem höchsten Konsum hochverarbeiteter Lebensmittel haben ein bis zu 19 Prozent höheres Risiko, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu erkranken.
Weitere Erkenntnisse:
- Das Risiko für Vorhofflimmern steigt um rund 13 Prozent.
- Das Risiko, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben, kann im Vergleich zu Personen mit sehr niedrigem Konsum um bis zu 65 Prozent steigen.
- Hochverarbeitete Lebensmittel stehen mit Übergewicht, Typ-2-Diabetes und Bluthochdruck in Verbindung.
- Sie können außerdem die Ansammlung ungünstiger Blutfette fördern.
Dr. Bonaccio ergänzt:
„Die Zusammenhänge zwischen hochverarbeiteten Lebensmitteln und Herzkrankheiten sind konsistent und biologisch plausibel. Sie erhöhen das kardiovaskuläre Risiko vor allem dadurch, dass sie Übergewicht, Diabetes, Bluthochdruck und ungünstige Blutfettwerte begünstigen.“
Weniger hochverarbeitete Lebensmittel als Standardempfehlung
Die Autorinnen fordern, dass Ärztinnen den Konsum hochverarbeiteter Lebensmittel stärker mit ihren Patient*innen besprechen.
Zudem plädieren sie für:
- verständlichere Kennzeichnungen
- aktualisierte Ernährungsempfehlungen
- mehr Aufklärung über den Verarbeitungsgrad von Lebensmitteln
Denn auch Produkte, die als „gesund“, „proteinreich“ oder „fettarm“ beworben werden, können hochverarbeitet sein.
Die Empfehlung, weniger davon zu essen, sollte künftig genauso selbstverständlich sein wie Hinweise zu Bewegung, Rauchen, Alkoholkonsum und einer insgesamt ausgewogenen Ernährung.
Wie kannst du hochverarbeitete Lebensmittel reduzieren?
Ganz auf hochverarbeitete Lebensmittel zu verzichten, ist im Alltag oft schwierig.
Sie sind praktisch, lange haltbar und schnell verfügbar.
Doch schon eine deutliche Reduzierung kann einen positiven Unterschied machen.
Diese Veränderungen sind besonders wirkungsvoll:
Snacks austauschen
Ersetze Chips, Schokoriegel oder Fruchtgummis häufiger durch:
- frisches Obst
- Nüsse
- Naturjoghurt
- selbst gemachtes Popcorn
Fertiggerichte seltener essen
Tiefkühlpizza, Instantnudeln oder abgepackte Lasagne lassen sich durch einfache selbst gekochte Gerichte ersetzen.
Frische Pasta mit Tomaten und Gemüse ist beispielsweise schnell zubereitet und enthält deutlich weniger Zusatzstoffe.
Zuckerhaltige Cerealien meiden
Statt stark gesüßter Frühstücksflocken eignen sich:
- Haferflocken mit frischen Beeren
- Naturjoghurt mit Nüssen
- Vollkornmüsli ohne zugesetzten Zucker
Verarbeitetes Fleisch reduzieren
Würstchen, Salami oder Chicken Nuggets sollten nicht täglich auf dem Speiseplan stehen.
Bessere Alternativen sind:
- gegrilltes Hähnchen
- frischer Fisch
- Hülsenfrüchte
- Eier
- Tofu
Softdrinks zur Ausnahme machen
Getränke wie Cola oder Fanta sollten eher etwas für besondere Gelegenheiten sein.
Im Alltag sind Wasser und ungesüßter Tee die bessere Wahl.
Praktisch, aber nicht alltäglich
Hochverarbeitete Lebensmittel müssen nicht vollständig aus dem Leben verschwinden.
Entscheidend ist, welche Rolle sie im Alltag spielen.
Sie können in Situationen sinnvoll sein, in denen es schnell und unkompliziert gehen muss.
Sie sollten jedoch nicht die Grundlage der täglichen Ernährung bilden.
Je häufiger frische, wenig verarbeitete Lebensmittel auf dem Teller landen, desto besser für Herz, Stoffwechsel und langfristige Gesundheit.